06 Claus Walker

Architects contest | 06 Claus Walker

06 Claus Walker – Tübingen – DE

Erläuterungsbericht

Heute
Das ensemble- und denkmalgeschützte Gut Hochreute ist eine wenig veränderte Gutsanlage aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts. Einst aus repräsentativem Anlass für Jagd, Erholung und selbstständiger Landwirtschaft hoch über dem Albsee errichtet, wirkt sie heute märchenhaft und durch die vollständige Mauereinfriedung abgeschlossen unnahbar. Die Unterhaltung der Gebäude und Außenanlagen sind auf das wesentliche reduziert. Die Anlage ist durch den Hangwald vom Albsee aus nicht zu sehen. Das Gutshaus und das Gesindehaus sind bewohnt. Die Stallung mit den Weideflächen ist verpachtet.

Plan
Vom Europe Center als Forum des Erfahrungsaustausches und der europaweiten Bündelung der westlichen Zentren von Gyalwa Karmapa Thaye Dorje, wird eine Unvoreingenommenheit und eine Weltoffenheit erwartet, die sich in der Gesamtanlage widerspiegeln sollte. Um der Abgeschlossenheit des Gutes entgegenzuwirken und dieses in eine größere Einheit zu integrieren, werden folgende Schritte umgesetzt:
> Einbindung des Gutes in die Hang- Topographie und Raumfolge der Wiesenterrassen
> Ankunft der Besucher an der Piazza des Europazentrums
> Aufbau eines Spannungsfeldes von Offenheit und Abgeschlossenheit

Einbindung in die Topographie
Die Wiesenplateaus des Südhanges werden umschreibend und der Topographie folgend erschlossen. Der terrassierte Wiesenhang wird durch die Wegeführung räumlich erlebbar. Auf den Plateaus laden Flächen mit Sitzstufen und Baumgruppen zum Verweilen ein.
Aus dem nördlichen Plateau heraus wird eine Terrassenkante entwickelt die das Gut von der Hangseite schützend stärkt und es darin verankert. Eine großzügige Freitreppe verbindet die Ebenen. Die Meditationshalle mit Nebenräumen, der Speisesaal mit Großküche und Cafe sowie die Hackschnitzelheizzentrale werden in die Terrassenkante eingearbeitet. Die Vorflächen von Meditationhalle und Speisesaal mit Cafe werden der jeweiligen Nutzung zugeordnet und übernehmen die Erschließung des Gebäudes.

Ankunft an der Piazza
Ein Ort der Kommunikation entsteht im definierten Raum zwischen (Stall) Wohn- und Austellungsgebäude des Gutes und der Terrassenkante mit Cafe, Freitreppe und Meditationshalle. Diese Nahtstelle bildet die Ankunftsadresse des Zentrums und wird als Piazza ausgebildet. Die Parkierungsfläche ist der Gutsanlage auf der Westseite vorgelagert. Der Hof wird über die Parkierungszufahrt erschlossen und verliert dadurch an Bedeutung. Eine Beruhigung des Gutsinnenhofes stellt sich durch die veränderte Anbindung ein. Der Fahrweg wird an Parkierung und Glashaus vorbei zur Piazza geführt. Die neue Wegetrasse liegt in der Blickachse zum westlichen Albsee.

Offenheit und Abgeschlossenheit
Die Terrassenkante der Meditationshalle spannt zusammen mit der Ostmauer des Gutes, der Raumkante des Schluchtwaldes und den gegenüberliegenden Berghängen einen Raum auf. Dieser deutlich wahrnehmbare und durch die Meditationshalle aufgewertete Raum übernimmt den Gegenpol zur Abgeschlossenheit und Introvertiertheit des Gutsensemble. Die Ostmauer des Innenhofes bildet die Membran. Entsprechend ihrer Eigenschaften zum Trennen und Verbinden muß die Mauer an einigen Stellen durchlässig werden.

Die Bestandsgebäude
Herren- und Gesindehaus werden nahe an ihrer bisherigen Nutzung schonend wiederbelegt. So werden unnötige Eingriffe oder Anbauten vermieden und den Denkmalforderungen entsprochen. Wohnen, Garagen, Werkstatt, Näh-, Wasch- und Lagerräume werden auf diese Weise beibehalten. Die großzügige Treppenanlage des Gutshauses wird den öffentlichen Funktionsräumen und der Seminararbeit mit Bibliothek zugeordnet. Die Küchenanlage dient der Versorgung der Lamas. Der Stall wird entkernt. Wohnzellen wie Gruppenschlafräume mit zugehörigen Sanitärbereiche werden abgerückt von der Außenmauer im EG eingestellt. Die Belichtung des OG wird über eine Glas- Holzverschalung an Giebel- und Seitenwänden erreicht. Die Giebelzonen erhalten eine Wohnnutzung mit eingestellten Wohnkontainern. Der nicht belichtete Dachraum zwischen den Giebelzonen dient als Ausstellungsfläche. Die östliche Gutsmauer wird zum Hindurchtreten an mehreren Stellen geöffnet. Das Holzlager und der Müllplatz in der Nordwest- Ecke des Gutsinnenhofes wird neu organisiert und ist vom Eingangstor aus nicht erkennbar. Durch den zurückhaltenden Umgang mit dem Gut und seiner Bausubstanz wird die Anlage sowohl von Außen wie von Innen weiter erlebbar bleiben.

Großkurse
Die Zelte für die Versorgung der Teilnehmer werden auf der Terrasse nördlich der Piazza aufgestellt. Es besteht die Möglichkeit die temporäre Großküche mit der vorhandenen Großküche zu verbinden sowie die kurzen Anschlußleitungen vorzusehen. Ein provisorischer Güteraufzug ist einfach einzurichten. Die Wiesenterrassen können angefahren werden. Das Meditationszelt wird auf dem obersten Wiesenplateau errichtet.