08 Herbert Neyer

Architects contest | 08 Herbert Neyer

08 Herbert Neyer – Ravensburg (Germany)

Erläuterungen zum Entwurf für die Sangha Ravensburg

Architekt
Herbert Neyer

AUSGANGSLAGE

Ausgehend von der tiefen Faszination des Ortes und der empfundenen Freude über diesen Ort entstand das Bedürfnis die Würde des Ortes und der gebauten Umgebung möglichst wenig zu zerstören oder zu beeinflussen.

Die Würde besteht in der hohen Qualität der bestehenden Architektur (Aussenräume und Innenräume) und, aus der Schönheit der Landschaft, und dem herrlichen Blick. Insbesondere der historischen Architektur sollte keine Konkurrenz gemacht werden. Die Landschaft soll möglichst wenig zerstört werden.

DER BESTAND WIRD IN SEINER FORM UND RÄUMLICHKEIT VERVOLLSTÄNDIGT UND GEWÜRDIGT

Das Areal ist u-förmig angelegt und östlich durch eine verhältnismäßig niedere Mauer schwach begrenzt. Durch eine Begrenzung mittels eines Gebäudes wird dieses Areal geschlossen. Das Gebäude im vorderen Teil parallel zur Mauer mit einem geneigten Dach versehen um die Architektursprache des Bestandes aufzunehmen. Die Mauer wurde nicht beschädigt, sie wird mit einer Brücke und Treppe überwunden. Die Gompa wird so erhöht und gewinnt an Bedeutung. Ein rollstuhlgerechter Aufzug ist in der Gompa integriert. Ein Weg durch das bestehende Tor am Eishaus verbindet Aufzug und Innenhof. Der Bestand wurde in keiner Weise zerstört. Auch das Cafe ist in frei miteinander verbundenen Einzelräumen und Glasfassade getrennt von der gemauerte Gebäudehülle in die bestehende Raumstruktur integriert.

DIE IN GEBRAUCH GENOMMENE VEGETATION WIRD NICHT ZERSTÖRT, SONDERN AUF DEM DACH WIEDERHERGESTELLT UND DIE LANDSCHAFT WIRD GEWÜRDIGT.

Die Baumasse der großen Gompa wurde mit einem Grasdach versehen, sodaß die bebaute Fläche auf dem Dach wieder als Vegetationsfläche hergestellt ist. Ebenfalls sind die Funktionsräume im Hang grasüberdacht integriert.

Blickverbindungen und Signifikanz
Die Blickverbindungen zur Buddhastatue und zur Stupa sind immer axial und zentral optimiert. Der Raum der großen Gompa ist so konzipiert, dass vorne mehr Leute sitzen können, wie hinten und erhält hier aus der Funktion geboren eine trapezförmige Form. Das Gebäude öffnet sich zur Buddhastatue hin und diese erhält durch das Gebäude eine Betonung. Sie steht vor einer Glaswand, die eine Sicht auf die Vegetation (Wald,..) gibt. So entsteht eine in der Dachform ablesbare Form, die an Karmapas Krone erinnert und eine Signifikanz und Identifikation bewirkt. Die kleine Gompa ist im Obergeschoss konzipiert und erhält einen zentralen und direkten Blick auf die Buddhastatue.

Wohnen bei der Gompa
Durch die große Fläche der Gompa und des entstehenden Raumes unter der Gompa wird vorgeschlagen, diesen Raum zum Wohnen mit Blick zur Natur zu organisieren. Das Wohnen und der Besucherstrom der Gompa sind räumlich komplett getrennt, da in den Wohnbereich und dessen Aussenanlage der Gompabesucher im Normalfall nicht vordringt. Ein Wohnen dicht bei der Gompa bedeutet für mich eine starke emotionale Kraft.

Funktionsräume nicht im Denkmal
Funktionsräume wie Küche mit Nebenräumen, Heizung, Lagerräume etc wurden komplett in ein grasüberdachtes, von oben nicht wahrnehmbares Hanguntergeschoss integriert. Die Küche wurde so funktional und optimal in reiner und unreiner Zone konzipiert. Das Gebäude hat eine auf das Minimum reduzierte Berührung mit der alten Bausubstanz und dies an einer durch die Historie gegebenen Stelle der bestehenden Überfahrt.
Lesen in kleinen Räumen
Das Lesen wurde in kleinen bestehenden Einzelräumen angeordnet, damit je 1 – 2 Personen ungestört studieren können

Karmapas Wohnturm

Das Eishaus wurde zum Wohnen für Karmapa konzipiert. Die bestehende Öffnung im Obergeschoss wurde zu einer Türe erweitert. Die Türe dient gleichzeitig als Fenster. Im Untergeschoss ist der Schlafraum konzipiert, der von oben Licht erhält. Durch ein Anheben des alten Daches und Rundumverglasung entsteht ein Studierzimmer mit Rundumblick ins Tal, zur Gompa, …Die „kleinen” Eingriffe in die Gebäudesubstanz des Eishauses sind denkmalpflegerisch vermutlich vertretbar.

Bad Waldsee, den 12.10.2007
Verbunden mit wirklich tiefen Dank
an Ole, Hannah, Caty,
Peter und Kerstin,
an die Sangha Ravensburg,
an alle Diamantwegler
Herbert Neyer